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Abnehmen durch Stoffwechseldiäten: ist der einfache Weg über Spritzen wirklich gesund?

Die meisten Stoffwechseldiäten - und ebenso die Abnehmversuche mit Spritzenbehandlungen - setzen auf eine beträchtliche Stoffwechselumstellung. Es handelt sich bei Stoffwechseldiäten dem Prinzip nach um kurzfristig durchgeführte Diäten. Diese haben zum Ziel, über eine veränderte Nahrungszusammenstellung möglichst schnell viele überflüssige Pfunde loszuwerden. Diesen Ansatz vertreten beispielsweise die Metabolic-Balance, die Blutgruppen-Diät, die Geno-Typ-Diät oder die Max-Planck-Diät. Weniger bekannte Vertreter sind außerdem das "Metabolic Typing" oder verschiedene Immun- bzw. Allergie-Diäten.

Der ersehnte Gewichtsverlust wirdmit jeder dieser Diäten zwar tatsächlich erzielt. Doch am Ende tritt der berühmt-berüchtigte Jojo-Effekt auf den Plan. Die neuerliche Umstellung auf die gewohnte Ernährung macht den Diäterfolg in Kürze wieder zunichte. Die "Deutsche Gesellschaft für Ernährung" vertritt - ebenso wie viele Mediziner - die Ansicht, dass Stoffwechseldiäten nicht empfehlenswert sind. Der Grund für dieses Urteil liegt in der eiweißlastigen Ernährungsweise, die bei einer Stoffwechseldiät verfolgt wird. Wer eine eiweißbetonte Ernährung über längere Zeit beibehält, verändert damit nicht nur den Stoffwechsel. Er beeinflusst auch das Darmbiom.

Die guten Darmbakterien schwinden. Es kommt zu einer Eiweißmast. Das mögen die schlechten Darmbakterien. Als Folge können Stoffwechselstörungen, Nährstoffmängel oder gar Nierenschäden durch zu viele Zerfallsprodukte aus eiweißhaltiger Nahrung auftreten. Eine betont eiweißlastige Ernährungsweise kann Studien zufolge sogar die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder ernährungsbedingte Krebserkrankungen erhöhen.

Für wen ist eine Stoffwechseldiät riskant?

Bereichen bereits vorgeschädigt sind, sollten auf eine Stoffwechseldiät verzichten. Für Menschen mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, mit Nierenerkrankungen oder Herz-Kreislauf-Problemen kann eine Stoffwechseldiät sogar riskant sein. Der Grund für erhöhtes Risikopotenzial liegt in der speziellen Zusammensetzung der Mahlzeiten bei Stoffwechseldiäten. Der erhöhte Eiweißgehalt der Mahlzeiten soll bei einer Stoffwechseldiät für eine Ankurbelung des Stoffwechsels sorgen. Durch den gesteigerten Energieumsatz sollen dann die überflüssigen Pfunde purzeln. Der angestrebte Gewichtsverlust wird dadurch befördert, dass die Menge der aufgenommenen Kohlenhydrate bei allen Stoffwechseldiäten niedrig gehalten wird. Der Organismus soll eingelagerte Fettdepots angreifen. Er soll sich so Ersatz für die fehlenden Kohlenhydrat-Energieträger beschaffen.

Die geringe Kohlenhydrataufnahme nützt zwar dem Blutzuckerspiegel. Sie umschifft Heißhungerattacken. Der strikte Diätplan hat aber andere Mängel, die nicht ohne Risikopotenzial bleiben. Die extreme Ernährungsumstellung erbringt vor allem einen schnellen Verlust von eingelagerten Gewebewasserdepots. Der Gewichtsverlust erfolgt bei fast allen Stoffwechseldiäten jedoch zu schnell. Bisher gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass solche Diäten zu anhaltenden Gewichtsverlusten und Stoffwechselumstellungen führen. Der nachfolgende Jojo-Effekt lässt ahnen, dass alle Mühe umsonst ist.

Der einfache Weg: Abnehmen durch Spitzen

Verschiedene Injektionen sollen ebenfalls in einen veränderten Stoffwechsel führen. So können Menschen mit Adipositas zum Beispiel mit Vitamin B 12-Spritzen oder Diabetes-Medikamenten wie "Semaglutid" oder "Liraglutid" ihren Stoffwechsel verändern, um abzunehmen. Im Grunde sind die Problempunkte ähnlich wie bei der Stoffwechseldiät. Wenn die adipösen Menschen während der Injektionsbehandlung keine dauerhafte Ernährungsumstellung vornehmen, wiegen sie am Ende meist mehr als zuvor.

Fakt ist, dass viele Übergewichtige mit Adipositas und Diabetes tatsächlich schnell an Gewicht verlieren, wenn sie einmal in der Woche eine Spritze mit "Semaglutid" erhalten. Binnen eines Jahres können so etwa 15 Prozent Übergewicht abgebaut werden. Die injizierte Substanz ähnelt einem körpereigenen Darmhormon namens GLP-1. GLP-1 imitiert dessen Tätigkeit, zügelt den Appetit und erzeugt ein anhaltenderes Sättigungsgefühl. Auch der ähnliche Wirkstoff "Liraglutid" wird vornehmlich bei Übergewicht und Diabetes eingesetzt.

Bevor es zu einer unterstützenden Injektionstherapie kommt, werden jedoch erst alle klassischen Abspeck-Varianten ausgeschöpft. Dieser Weg des Abnehmens steht also keineswegs jedem zur Verfügung. Viele Mediziner sind sich einig, dass solche Injektionsbehandlungen keine Veränderung der Einstellung zur Nahrungsaufnahme bewirken können. Sie eignen sich lediglich als unterstützende Diät-Maßnahme. Zudem finanzieren viele Krankenkassen solche Injektions-Behandlungen bisher nicht. Für Nicht-Diabetiker bedeutet das: Die Behandlungskosten von mehreren tausend Euro müssen aus eigener Kraft aufgebracht werden. Um dem Jojo-Effekt vorzubeugen, müsste die Injektionsbehandlung zudem lebenslang durchgeführt werden.

Ein weiterer Minus-Punkt sind die Nebenwirkungen solcher Spritzen. Das Diabetes-Medikament "Semaglutid" verzögert die Magenentleerung. Es kommt anfangs fast immer zu Erbrechen und Übelkeit. Welche Langzeitwirkungen die Spritzen haben, ist bislang nicht erforscht.

Abnehmen mit Vitamin-B12-Injektionen?

Dieser Trend wurde von US-Prominenten wie Jennifer Lopez oder Rihanna nach Deutschland exportiert. In den vereinigten Staaten kann sich jeder Vitamin-B12-Injektionen ohne Rezept und Arztbesuch im Drugstore beschaffen. Das ist bei uns anders.

Fakt ist, dass jeder Mensch ausreichend Vitamin B12 über die Nahrung zuführen muss. Das lebenswichtige Vitamin ist jedoch vornehmlich in tierischen Nahrungsmitteln enthalten. Die Leber speichert größere Mengen davon. Wenn sich Übergewichtige im Rahmen einer Kurmaßnahme wöchentlich hochkonzentrierte Vitamin-B12-Spritzen verabreichen lassen, bezwecken sie damit eine Ankurbelung des Stoffwechsels. Dadurch soll ein Gewichtsverlust eintreten. Studien beweisen, dass Vitamin B12 viele lebenswichtige Funktionen hat. Ein Gewichtsabbau durch Vitamin-B12-Injektionen ist jedoch nicht nachgewiesen.

In Deutschland werden hochdosierte Injektionen mit Vitamin B12 nur bei nachgewiesenem Vitamin-B12-Mangel verabreicht - beispielsweise bei akuten oder chronischen Darmerkrankungen. Aus Gründen der Gewichtsabnahme werden Vitamin-B12-Injektionen jedoch nicht verordnet. Vielmehr wird empfohlen, die Aufnahme von Vitamin B 12 über die Nahrung oder eine vitaminhaltige Zahncreme aufzunehmen. Gegebenenfalls ist eine verbesserte Aufnahme des B-Vitamins durch Nahrungsergänzung sinnvoll, zum Beispiel für Veganer und Vegetarier.


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