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SV Viktoria 01 e. V. Aschaffenburg

Spitzenfußball am Bayerischen Untermain - Es macht wieder Spaß, zur Viktoria zu gehen

Udo Lattek, Gott hab ihn selig, trug seinen berühmten blauen Pulli. 13-mal war der 1. FC Köln im Herbst 1987 ungeschlagen, so dass Köln die Tabelle der Bundesliga anführte und Lattek als Sportdirektor der Geißböcke den blauen Pulli nicht mehr wusch. Bis er im DFB-Pokal zur Viktoria nach Aschaffenburg kam. Und der damalige Hessenligist bot mit Kapitän Sarocca, Torwart Reitmaier und Bubu Knecht als Libero dem Bundesliga-Spitzenreiter mit Nationalspielern wie Littbarski, Illgner, Kohler und Engels Paroli. Lange Zeit fiel kein Tor. Dann kam die 83. Minute im Stadion am Schönbusch. Foul in Strafraumnähe. Knecht bringt den Freistoß. Uwe Höfer steigt über Kohler hinweg hoch zum Kopfball und es steht 1:0 für die Viktoria. Köln rennt vergeblich an. Das Spiel ist aus, der Schönbusch jubelt: Die Viktoria aus Ascheberg hat den Spitzenreiter der Bundesliga geschlagen. Und Udo Lattek ist stocksauer. Wahrscheinlich wurde dann der blaue Pulli auch sofort gewaschen.

Ein echter Traditionsverein

Als echter Traditionsverein mit einer vorbildlichen Jugendarbeit steht die Viktoria für Spitzenfußball am Bayerischen Untermain: In den fünfziger Jahren spielte die Viktoria in der höchsten deutschen Spielklasse, der Oberliga Süd, und gewann auch Spiele gegen den Club, Bayern München oder 1860. In den achtziger Jahren war am Schönbusch die Hütte voll als die Viktoria in der 2. Bundesliga Teams wie Schalke 04 oder die Hertha aus Berlin wegputzte. Alle Fußball-Fans kennen Viktoria-Legenden wie Heinz Budion, Ernst Lehner, Felix Magath, Rudi Bommer oder Bubu Knecht. Heute kickt die Viktoria zwar nur in der Bayernliga. Doch spielt die Mannschaft einen attraktiven Fußball – so jüngst zu sehen beim 5:0 gegen die Alemannia aus Haibach – und steht mit an der Tabellenspitze. Und es lohnt sich wieder zur Viktoria zu gehen.

„Eine große Mannschaft“

Als ich Anfang der 90er Jahre beruflich in München war und dem schon älteren Taxifahrer sagte, dass ich aus Aschaffenburg komme, meinte der gleich: „Viktoria Aschaffenburg, eine große Mannschaft“. Und er erzählte mir von Spielen aus der Oberliga Süd, der vor Gründung der Bundesliga höchsten deutschen Spielklasse, in der die Viktoria in den fünfziger Jahren mit Bayern und 1860 München, dem Club, Eintracht Frankfurt und VfB Stuttgart spielte. Viktoria-Ehrenspielführer Heinz Budion, der im Dezember 2014 seinen 90sten Geburtstag feierte, absolvierte ein A-Länderspiel und stand sogar im erweiterten Kader von Sepp Herberger für die WM 1954. Damals hat die Viktoria nicht nur die Bayern aus München besiegt, sondern 1956 auch den 1. FC Nürnberg daheim im „Zabo“, immerhin war der Club zu dieser Zeit deutscher Rekordmeister. Und der Jubel am Schönbusch kannte keine Grenzen als der Club 1958 mit 5:2 am Schönbusch unterging. Die zweite Blütezeit der Viktoria kam dann in den 80er Jahren mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga. Die Viktoria hatte ein echtes Team mit vielen Einheimischen. Wieder pilgerten die Menschen zum Schönbusch. In der Aufstiegsrunde schossen1985 unter Trainer Kurt Geinzer Michael Traband und Dieter Lindenau die Viktoria in die 2. Liga. Und dann warb die Viktoria auch noch den Ausnahmefußballer Cezary Tobollik von Eintracht Frankfurt ab. (Wer schon gegen ihn gespielt hat, weiß welche technische Klasse Tobollik hat).

Sieg im Duell Blau-Weiß

Trotz großer Begeisterung und manch schöner Erfolge gelang es damals leider nicht, auf Dauer im Profi-Fußball zu bestehen. Wahrscheinlich haben der Viktoria dazu auch das Geld oder die notwendigen großen Sponsoren gefehlt. Doch bleiben große Fußballfeste in Erinnerung wie der Sieg gegen Köln. Und Anhänger von Schalke 04 können es mitunter heute gar nicht mehr glauben, dass die Viktoria damals 2:0 gegen die Gelsenkirchner gewann. Schalke-Betreuer „Charly Neumann“ war den Tränen nahe, dass seine Mannschaft am Schönbusch verlor. Und die Zuschauer jubelten dem Sieger der Vereinsfarben Blau und Weiß zu: „We are Blue, we are White, we are Schönbusch Dynamite.“ Nach Aufs und Abs in den vergangenen Jahren, die bis hin zur Insolvenz im Jahr 2010 führten, ist der Verein inzwischen saniert und bewegt sich in soliden Bahnen. Stolz darf die Viktoria auf ihre Jugendarbeit und die Erfolge der Jugend- und Junioren-Mannschaften sein. Heutige Bundesliga-Spieler wie Marcel Schäfer oder Daniel Baier kommen von der Viktoria. Wer hier bei uns in der Region im Fußball etwas werden und höherklassig spielen will, geht auch heute noch zur Viktoria (wobei, das ist auch klar, nicht jeder es schafft, einmal höherklassig zu spielen).

Fundament eigene Jugend

Auch Holger Stenger, Sprecher des Vorstands der Viktoria, baut im Gespräch auf die Jugend: „Die Jugendarbeit ist das Fundament unseres Vereins. Wir haben einen klaren Leistungsgedanken und ohne eigene Jugendspieler werden wir nie die Möglichkeit haben, oben mitzuspielen.“ Doch räumt er ein, dass diese Arbeit natürlich schwieriger wird, weil schon bei sehr jungen Spielern erhebliche Beträge gezahlt werden. In dieser Saison macht es wieder Spaß, am Schönbusch zuzuschauen. Das Team um Trainer Slobodan Komljenovic spielt einen attraktiven Fußball und hat nach der Vorrunde die Chance, den Aufstieg von der Bayernliga in die Regionalliga Bayern zu schaffen. Die Klasse der jungen Viktoria-Mannschaft war beim 5:0 Heimsieg gegen Haibach zu sehen, als die Alemannia sich in der 2. Halbzeit nur noch hinten rein stellte, um nicht noch mehr unter zu gehen. Bei der Viktoria muss man inzwischen auch rechtzeitig zu Spielbeginn da sein: Sonst droht man die ersten Tore zu verpassen.

Die Viktoria will wieder nach oben

Holger Stenger sagt: „Im Grunde ist mittlerweile der Aufstieg das Ziel. Aber nicht um jeden Preis und wenn er nicht klappt, geht die Welt auch nicht unter. Nach wie vor ist das Hauptziel der Viktoria die Verankerung in der Region und vor allen Dingen den Verein auf finanziell stabile Füße zu stellen. Dabei sind wir zwar schon ein gutes Stück weiter gekommen, aber noch nicht am Ziel angelangt.“ Der Viktoria-Vorstandsprecher glaubt, dass unsere Region Profi-Fußball in der dritten Liga gut verkraften könnte. Aber dazu müsse auch die Wirtschaft, die Stadt Aschaffenburg mitspielen und die Viktoria brauche auch die Hilfe der umliegenden Vereine. Stenger wörtlich: „Viktoria Aschaffenburg soll wieder der Leuchtturm in unsere Region werden und langfristig möchten wir auf jeden Fall nach oben.“ Um an frühere Glanzzeiten anzuschließen, müssten zwei, drei besondere Jahre kommen. Die Viktoria setzt dabei auf die Integration der Jugend, auf Spieler aus der Region und hofft auch auf ein wenig Glück. Auch ein Einzug in die Hauptrunde des DFB Pokals könnte helfen. Eine Botschaft hat Stenger noch an die Zuschauer, Fans und Firmen: „Unterstützt uns. Im Kleinen wie im Großen. Kommt zu unseren Heimspielen und unterstützt unser Team. Die Mannschaft hat es verdient und in der Oberliga wird durchaus ein attraktiver Fußball gespielt. Wir möchten wieder DER Fußballverein am bayerischen Untermain werden und dafür brauchen wir Euch!“ Diesen Wunsch teilen die Viktoria-Fans: Wie möchten am Schönbusch wieder Siege gegen Mannschaft wie Kickers Offenbach, Darmstadt 98 oder den KSC sehen. Und natürlich gerne auch Erfolge wie einst über Bayern München, den Club, Schalke 04 oder den 1.FC Köln.
(Text: wrü, Fotos: © SV Viktoria 01 e. V.)


Informationen

- Gründung: 1901
- Vorstand: Holger Stenger (Marketing & Sprecher des Vorstands), Marion Münz (Finanzen), Peter Löhr (Sport), Stefan Sickenberger (Jugend)
- Anschrift: Kleine Schönbuschallee 92, 63741 Aschaffenburg
- Telefon: 06021/4383390
- E-Mail: geschaeftsstelle(at)sva01.de
- Website: www.sva01.de
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