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Interview mit Marc Merscher: Der junge Gitarrenvirtuose aus Kahl am Main

Musikalische Talente gibt es viele, doch ohne disziplinierte Arbeit verlieren sich die meisten im Durchschnitt. Doch Marc Merscher, der 16-jährige Gitarrenvirtuose aus Kahl, vereint neben einem tiefgehenden Musikwissen auch die nötige Portion Disziplin und Zielstrebigkeit. Kommt hier noch das glückliche Händchen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, werden wir Merscher bald in einem Atemzug mit den ganz großen, nationalen Namen nennen.


„Es ist wichtig, den Song in sich zu spüren und zu wissen „Was kann ich beitragen?“. Es geht nicht darum einfach drauflos zu hämmern, sondern eben um die Frage ‚Was kann der Song vertragen? Was kann ich? Und was kann ich ihm geben?‘“ - Marc Merscher.

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Es hat damit angefangen, dass ich im Alter von 4 Jahren eine akustische Gitarre bekam. Da muss man sagen, dass meine Familie sehr musikalisch ist So habe ich mir die Basics von meinem Vater abgeschaut. Der Rest hat sich sehr schnell weiterentwickelt; ein guter Freund spielte Schlagzeug, da kam eins zum anderen. Aber im Grunde habe ich alles aber meiner Familie zu verdanken, die mich sehr gefördert hat.

Welche Musik inspiriert und beeinflusst Dich am meisten?

Wenn ich mittags vom Kindergarten nach Hause gekommen bin, habe ich direkt als erstes „Wind of Change“ von den „Scorpions“ gespielt. Weiteren großen Einfluss hatten die Rolling Stones. Als ich die Band kennenlernte bin ich sofort auf die Fender Telecaster umgestiegen und habe fast 4 Jahre lang jeden Tag die Songs der Stones gespielt. Diese Band hat mich sehr geprägt, vor allem Keith Richards. Aber natürlich nur musikalisch; mit seinen Eskapaden und Skandalen habe ich in meiner Kindheit nichts zu tun gehabt [lacht]. Zusätzlich wirkt natürlich auch der Einfluss durch die anderen Musiker, mit denen man spielt.

Würdest Du sagen, dass die Musik von früher besser war?

Früher war das Image zwar wichtig, allerdings stand die Musik im Vordergrund. Auch wenn es zum Beispiel im Rock’n’Roll eher um die eingängigen Melodien ging, welche die Leute geliebt haben, wurde einfach mehr ausprobiert. Da muss man nur an Jimi Hendrix oder Bands wie Pink Floyd denken. Zudem muss man sagen, dass die Musik von früher sehr authentisch war, da sie die reine Leistung der Musiker auf der Bühne widerspiegelte. Heute gibt es leider sehr viele Songs im Radio, die im Zimmer am Laptop erstellt wurden. Dabei ist gerade dieses Zusammengefühl der Musiker bei der Aufnahme, das was die Musik besonders macht.

Mit welchen Musikern – lebend oder verstorben – würdest Du gerne mal spielen?

Da fällt immer wieder die Wahl auf Gundy Keller, bei dem ich mittlerweile auch Langzeitpraktikant bin. Gundy Keller ist deutschlandweit ein Ausnahmegitarrist. Von ihm kann man sehr viel lernen. Nicht nur eine bestimmte Musikrichtung; er deckt das ganze Spektrum ab. Das ist ein ganz großes Vorbild. Ansonsten, gute Frage … [nach kurzem Überlegen grinst Merscher zufrieden] mit dem britischen Rock-Gitarristen Jeff Beck und dem US-Bluesrock-Gitarristen Joe Bonamassa.

Weil Du es gerade angesprochen hast: Was macht für Dich ein Ausnahmetalent aus?

Gitarristen gibt es wie Sand am Meer, wichtig ist das Gefühl, sich auf etwas einzulassen. Es ist wichtig, den Song in sich zu spüren und zu wissen „Was kann ich beitragen?“. Es geht nicht darum einfach drauflos zu hämmern, sondern eben um die Frage „Was kann der Song vertragen? Was kann ich? Und was kann ich ihm geben?“. Natürlich sind spektakuläre Momente wichtig, aber man muss selbst total cool an seinem Instrument sein. Man kann auch mit nur einem Ton extrem viel bewirken, B.B. King ist das beste Beispiel. Es kommt eben überwiegend auf das Gefühl an.

Welche musikalischen Projekte begleitest Du momentan?

Momentan steht meine Band „Audiophyle“ ganz groß auf dem Tagesprogramm. Das Ganze ist zwar noch in der Probierphase, aber es steht bereits jetzt fest, dass wir eigene Sachen schreiben wollen. Rock, Blues, Funk, auf jeden Fall kein Metal. Ebenso ganz aktuell ist „Marc Merscher und Anna Prokop“: Anna ist eine sehr talentierte Sängerin aus dem Raum Hanau, mit ihr spiele ich überwiegend akustisch wie z.B. im Amphitheater Hanau, aber auch auf privaten Veranstaltungen.

Welche konkreten Ziele hast Du für die musikalische Zukunft?

Ich habe vor, Tontechnik zu studieren. Auf den Geschmack gebracht, hat mich mein eigenes Tonstudio zu Hause, in dem ich immer wieder Musik aufnehme sowie das Studio-Praktikum bei Gundy Keller. Tontechnik, Musik-Produktion, aber auch das ganze Drumherum, also Vertrieb, Management und Publishing ist sehr interessant. Ein großes Vorbild ist Curt Cress, einer der bedeutendsten Schlagzeuger und Musikproduzenten Deutschlands, der bereits mit allen Größen gespielt hat. Sowas kann ich mir auch gut vorstellen: Mich im Studio um die Tontechnik zu kümmern, Musik zu produzieren und dabei auf jeden Fall auch selbst als Studio- und Livemusiker aktiv sein. Es ist das ganze Paket; man braucht einfach mehrere Standbeine. Und ja, natürlich wäre es cool, wenn aus den einzelnen Projekten wie z. B. Audiophyle mehr werden würde, welcher junge Musiker wünscht sich das nicht. (Interview: km)


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