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Süßes Leiden: Was tun bei einer Zuckerunverträglichkeit?

Verdauungsprobleme gelten in der Bevölkerung als weit verbreitet. Nicht selten spielt eine Zuckerintoleranz dabei eine tragende Rolle. Dieser liegen unterschiedliche Mechanismen und Symptome zugrunde. Beschwerden variieren zusätzlich stark in ihrer Ausprägung und gelten obendrein nicht als ausgesprochen spezifisch. Aus diesem Grund ist der Intoleranz anfangs schwer zu diagnostizieren. Betroffene bleiben meist lange Zeit ohne Diagnose. Der menschliche Organismus benötigt Zucker als Energielieferant zum Überleben. Ohne den wichtigen Zellbrennstoff Glucose, einem Einfachzucker, stellen Körperzellen ihre Arbeit ein. In der alltäglichen Nahrung sind aber viel häufiger andere Zuckerarten wie Saccharose, Fruktose, Sorbit, Laktose oder Galaktose vertreten. Der Körper verstoffwechselt sie unter normalen Bedingungen hin zur Glucose. Allerdings kann der Prozess bereits in sehr frühem Stadium im Verdauungstrakt empfindlich gestört werden. Betroffene klagen über verschiedene Symptome.

Gängige Beschwerden sind:

  • Aufstoßen
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Darmpilze
  • Schlafstörungen
  • Übelkeit

An dieser Stelle endet die Liste der Symptome jedoch nicht. Nach neusten Erkenntnissen sorgen bestimmte Zuckerunverträglichkeiten für Beschwerden, die viele nicht direkt mit der Nahrungsaufnahme in Verbindung bringen würden. Schwindelgefühle, Kopfschmerzen, Herzrasen, vermehrtes Schwitzen, Konzentrationsbeschwerden oder Depressionen gehören zu den möglichen Folgen. Sogar der gefürchtete Tinnitus steht manchmal in Zusammenhang mit einer fehlerbehafteten Zuckerverwertung. Häufig deuten sich erste körperliche Probleme ungefähr 30 Minuten nach dem Konsum des schlecht verträglichen Zuckers an. Typisch für alle Betroffene ist außerdem eine nahezu völlige Beschwerdefreiheit, sofern sie bereits seit einigen Stunden keine Nahrung mehr zu sich genommen haben. Meist klingen deshalb die Symptome im Verlauf der Nacht teilweise oder vollständig ab.

Ursachenforschung: Welcher Zucker ist der Übeltäter?

Zucker ist nicht gleich Zucker. Es gibt viele Unterformen, die in der Natur vorkommen. Abhängig davon, welche Unverträglichkeit vorliegt, fallen auch entsprechende Gegenmaßnahmen aus. Es folgt ein Überblick zu den gängigsten Intoleranzen.

Saccharoseintoleranz

Saccharose ist schlicht ganz normaler Haushaltszucker. Meist leiden Menschen bei einer Intoleranz an Verdauungsproblemen. Sie äußern sich anhand von Durchfall, Blähungen, Krämpfen und manchmal mit Erbrechen. Auslöser für den rumorenden Magen ist ein Mangel des Enzyms Sucrase-Isomaltase. Dieses verarbeitet unter normalen Bedingungen Saccharose im Dünndarm. Fehlt dieses, wandert der Zucker weiter in den Dickdarm. Die dortigen Bakterien erfreuen sich an dem überraschenden Nahrungsangebot und produzieren reichlich Stoffwechselabfälle und Gase. Durch die Blähung können diese sogar eine Fehlbesiedlung im Dünndarm begünstigen und dort entzündliche Prozesse auslösen. Die Saccharoseintoleranz gilt als Erbkrankheit. Sie kann aber auch im Rahmen einer Darmentzündung oder Glutenunverträglichkeit erstmals in Erscheinung treten.

Fruktoseintoleranz

Beim sogenannten Fruchtzucker gibt es zwei Grundtypen: Hereditäre sowie intestinale Fruktoseintoleranz (HFI und IFI). HFI hat einen Gendefekt als Ursache. Ein Enzymdefekt in der Leber führt zum fehlerhaften Stoffwechsel. IFI geht dagegen oft mit einer Störung im Darmbereich einher. Das Protein GLUT-5 transportiert den Fruchtzucker nicht ausreichend im Körper. Ein Überschuss an Fructose führt dann zu verstärkten Problemen wie den Reizdarm. Oft kommt als Mitverursacher auch eine Antibiotikabehandlung infrage. Allerdings nehmen dann die Stoffwechselstörungen nach Einnahmestopp wieder ab. Industriell ist heutzutage eine Verwendung von Fruchtzucker in Kombination mit Maisstärke gang und gäbe.

Laktoseintoleranz

Laktoseintoleranz gilt als die häufigste Form der Zuckerintoleranz. Asiaten sind im besonderen Maße davon betroffen. Das Enzym Laktase fehlt zur Verwertung des Milchzuckers oder ist nur geringfügig vorhanden. Als Folge produzieren Darmbakterien aus der Laktose Milchsäure sowie Wasserstoff und Methan. Der Mangel kann wie bei Asiaten genetisch bedingt sein, aber unter anderem auch durch übermäßigen Alkoholgenuss und Mangelernährung entstehen.

Sorbitintoleranz

Sorbit findet in vielen Lebensmitteln unter kryptischen Bezeichnungen wie zum Beispiel E 436 oder E 420 Verwendung. Einige Obstsorten wie Apfel, Birnen oder Pflaumen besitzen von Natur aus einen erhöhten Sorbitanteil. Bei gesunden Menschen gelangt Sorbit über die Darmwand ins Blut und wird dort verstoffwechselt. Bei einer Intoleranz bleibt es im Darm zurück und dient den dort siedelnden Bakterien als Nahrung.

Galaktoseintoleranz

Galaktose ist ein Einfachzucker und kommt als Zuckerersatz zum Einsatz. Bleibt zu viel davon in der Blutbahn zurück, liegt das meist an einem Defekt des Enzyms Alpha-Galactosidase. Bei Säuglingen äußert sich die Störung durch Gelbsucht und apathisches Verhalten meist sehr deutlich.

Leben mit der Zuckerunverträglichkeit

Wie arrangieren sich Betroffene bei einer vorhandenen Zuckerintoleranz? Schmerzen, Krämpfe und anderweitige Symptome beeinträchtigen bei vielen Leidenden spürbar deren Lebensqualität. Zunächst braucht es eine geeignete Diagnose – doch bis diese steht, kann recht viel Zeit verstreichen. Häufig bemerken Betroffene selbst einen Zusammenhang mit bestimmten Lebensmitteln. Hilfreich bei bestehendem Verdacht ist ein Ernährungsprotokoll.

Bei Symptomen lassen sich so die Auslöser im Verlauf der Zeit gezielt per Ausschlussverfahren eingrenzen. Eine erfolgreiche Therapie mit Medikamenten existiert leider nicht – Zuckerintoleranz ist nicht heilbar. Allerdings lassen sich einige Formen mit Medikamenten lindern. Primär müssen Erkrankte ihre persönliche Toleranzgrenze ausloten. Manchmal genügt ein eingeschränkter Konsum der betroffenen Nahrungsmittel.

Bei schweren Fällen mit starken Symptomen hilft dann nur der komplette Verzicht und die komplette Umstellung auf Alternativen.

Laktose, Glucose oder Fructose können bei Unverträglichkeit Saccharose ersetzen.

Galaktose ist besonders in Obst und Gemüse vorhanden. Aber auch Milch trägt den Einfachzucker in sich.

  • Bei leichten IFI-Fällen unterstützen Tabletten mit dem Enzym Xylose-Isomerase den Verdauungsprozess.
  • HFI erfordert den Verzicht auf Obst und Gemüse.
  • Sorbit gilt zusätzlich als Katalysator bei Fruktoseintoleranz. Das Süßungsmittel ist auch in Kaugummis oder zuckerfreien Bonbons enthalten.

Laktase lässt sich bei einer Laktoseintoleranz per Tabletten künstlich zuführen. So ist der Genuss von Milchprodukten dennoch möglich.


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