Die Dame der Veränderung - Ein neuer Roman nach wahrer Begebenheit von Jana C. Voelker

In ihrem autobiografischen Entwicklungsroman „Die Dame der Veränderung“ gibt die Autorin Jana C. Voelker einen tiefen Einblick in ihre eigene Vergangenheit. Diese war geprägt von tiefen seelischen und körperlichen Schmerzen, Armut und starken Selbstzweifeln. In der Ich-Perspektive erzählt die Autorin von ihrer schwierigen Kindheit, von Gewalt, Armut, der komplizierten Beziehung zu ihrem Vater und den wiederholten Aufenthalten in Heimen und teilstationären Einrichtungen. Ihre Mutter steht zwar prinzipiell auf ihrer Seite, ist jedoch mit zwei weiteren Kindern und Job bereits überfordert. Die Potenziale der Jugendlichen werden wiederholt verkannt, auf konventionellen Schulen gilt sie als nicht beschulbar.
Aufbau und Inhalt
Der erste Teil des Buchs beleuchtet die dramatische Kindheit der Protagonistin. Sie erzählt tiefgründig von ihrem Leid, dem rauen Klima und der Härte, sowohl im Elternhaus als auch in den Heimen und teilstationären Einrichtungen. Dort musste sie nach den vorgegebenen Regeln funktionieren und gehorchen. Bestrafung und Schläge waren an der Tagesordnung. Die Folge war nicht nur ein psychischer, sondern zunehmend auch ein körperlicher Verfall. Fluchten aus dem harten Alltag waren die Aufenthalte bei ihrer Cousine an der Nordsee und Reitstunden. Einige wenige Lichtblicke gab es auch in der Schule mit ihrem besten Freund Julian und ihrer besten Freundin Miriam, der sie das Buch gewidmet hat. Zwischendrin stellt die Autorin in einem Exkurs philosophische Fragen an das Leben, die sie über viele Jahre hinweg bewegten. Sie handeln von Angst, Verlust, Heilung, seelischen Wunden, Freiheit und Selbstliebe. Im dritten Teil steht der Prozess der Heilung und der Kampf für eine Rückkehr in ein „normales“ Leben im Vordergrund. Die Autorin beschreibt den langen Weg vom Überleben zurück zum Leben. In einem langwierigen persönlichen Kampf streift die Protagonistin die Geister und Ängste der Vergangenheit ab und wagt sich an ein freies, selbstbestimmtes Leben. Darin soll es nicht länger darum gehen, ausschließlich die Erwartungen anderer zu erfüllen und sich selbst zu leugnen.
Es ist immer wieder die Rede von Angst, von Würde und Heilung. Momente der Stille und der Einkehr findet sie vor allem an der Nordsee, die für die Autorin zugleich als Spiegel ihres Weges und Metapher für das Leben mit all seinen Unwägbarkeiten steht. Das Meer fungiert gleichsam als stiller Zeuge von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das Lösen von der Vergangenheit bildet das Ende des Buchs.
Sprache und Erzählstil
Das Buch ist autobiografisch und persönlich verfasst. Der Leser taucht unmittelbar ein in die dramatische und herzzerreißende Lebensgeschichte, die von unglaublich viel Leid, Verzweiflung und Angst geprägt ist. Rastlos und ungeschminkt schildert die Autorin, was ihr in der Vergangenheit widerfahren ist und nimmt Sie als Leser mit auf eine Reise in die Tiefen menschlicher Abgründe. In der Art des Erzählens liegt eine intensive Spannung, und als Leser lesen Sie bisweilen atemlos diesen biografisch geprägten Roman, der von so viel Leid, Angst und Hoffnungslosigkeit berichtet, dass es bisweilen schwer fassbar ist, was einem jungen Menschen passieren kann. Dabei legt Jana D. Voelker eine Wortgewalt an den Tag, die ihre Erfahrungen und Erlebnisse derart schildert, dass Sie sich als Leser als stille Zeugen wähnen. Sie werden sich selbst fragen, wie ein Mensch dermaßen viel Leid und Schmerz ertragen kann. Unbequeme Fragen und Wahrheiten finden sich genauso im Buch, wie viele Aspekte und Abgründe der menschlichen Psyche.
Aussagen und Kritik der Autorin
Viele Passagen des Buchs erzählen von dem Versuch der Autorin, sich anzupassen und in die von der Gesellschaft vorgegebenen Formen und Konventionen zu pressen. Am Ende des Buchs schreibt die Autorin selbst, dass sie den Unsichtbaren, jenen am Rand der Gesellschaft, eine Stimme geben möchte. Sie gibt all denjenigen Mut, die sich verlassen, ausgegrenzt oder einsam fühlen. Zugleich kritisiert sie die heutige Leistungsgesellschaft, in der alle, die nicht der Norm entsprechen, schnell als lernunfähig, psychisch gestört oder krank gelten. Dabei liegt die Ursache häufig in einem Kindheitstrauma und zerrüttetem Urvertrauen. Genauso trägt jedoch die Gesellschaft Verantwortung, Menschen, ja Individuen, nicht in vordefinierte Kategorien zu stecken. Es bleibt zu hinterfragen, was als Norm gilt und warum die persönliche Freiheit von heranwachsenden Menschen so oft sabotiert wird.
Schlusswort
„Die Dame der Veränderung“ ist ein sehr persönlicher Entwicklungsroman, der Ihnen als Leser von den Härten einer geraubten Kindheit und Jugend erzählt, die eher einem Horrorfilm gleicht. Der schwierige Lebensweg der Autorin regt zum Nachdenken an und gibt zugleich Hoffnung und Zuversicht.
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