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Wundstarrkrampf

Egal, ob große oder kleine Wunden: Die Gefahr, sich mit dem Tetanus-Erreger zu infizieren, ist immer gleich. Das Bakterium sondert Giftstoffe ab, die die Nerven schädigen und tödliche Krämpfe verursachen können. Ein Schutz vor diesen Folgen ist nur prophylaktisch möglich – und wird sowohl für Menschen als auch für Nutztiere empfohlen.

Ein altbekanntes Problem

Wie Wundstarrkrampf wirkt, geht aus zahlreichen Berichten, Gemälden oder Krankenakten hervor. Schon der antike Gelehrte Hippokrates von Kos fasste den Verlauf der Infektion zusammen. Seine sogenannte Tetanus-Triade beinhaltet die drei Eckpfeiler Wunde – Kieferkrampf – Tod.

Wodurch die muskulären Verspannungen ausgelöst werden und dass sie weit mehr als den Gesichtsbereich befallen können, wusste zu diesem Zeitpunkt niemand. Dabei ist die Ursache des Wundstarrkrampfs omnipräsent: Das auslösende Bakterium Clostridium tetani findet sich quasi überall. Es lebt in Gartenerde, Straßenstaub, Viehmist und sonstigen Materien, die mit Wunden in Berührung kommen können. Dadurch gelangt der Erreger in den Körper, wo er sich unter Sauerstoffausschluss vermehrt und zahlreiche Giftstoffe freisetzt. Sie sind das eigentlich Gefährliche an der Infektion, denn ihre Wirkung erstreckt sich auf mehrere biologische Funktionen.

Ein schwerwiegender Verlauf

Relevant für den Ausbruch von Wundstarrkrampf ist das Protein Tetanospasmin. Es greift die Eiweiß-Verbindungen des Zentralnervensystems an und blockiert so die Übertragung wichtiger Botenstoffe. Infolgedessen kommt es zu den typischen Symptomen einer Tetanus-Infektion. Zunächst gleichen die Anzeichen einer Grippe. Betroffene verspüren Kopf- und Gliederschmerzen; sie fühlen sich matt und müde, sind unruhig und leiden unter Schweißausbrüchen. Bald darauf führt die Tetanospasmin-Wirkung zu Krämpfen in der Kiefermuskulatur. Befallene können den Mund nicht mehr öffnen und zeigen einen permanent grinsenden Gesichtsausdruck, die sogenannte Teufelsfratze.

Die Genesung und die intensiv-medizinische Betreuung dauert mehrere Wochen – und auch die Folgen einer überstandenen Tetanus-Infektion können beträchtlich sein. So ist unter anderem bekannt, dass der Giftstoff Tetanolysin die Anzahl roter Blutkörperchen reduziert und herzschädigend wirkt.

Ein Grund mehr, die angebotene Prophylaxe ernst- und anzunehmen – zumal Kinder ein höheres Verletzungsrisiko haben und sich öfter schmutzig machen als Erwachsene.

Bei fortschreitender Krankheit werden die Nerven zunehmend anfälliger. Jetzt genügen schon kleinste Reize, um weitere Krämpfe in anderen Körperregionen zu provozieren. Sie können durch Berührungen oder eine Bewegung, aber auch durch akustische oder optische Signale ausgelöst werden. Als Reaktion auf solche Reize verspannen erst Arme und Beine; dann die Streckmuskeln des Rückens. Dabei verbiegt sich der ganze Rumpf des/der Patient*in nach hinten – was im Extremfall Wirbelbrüche verursachen kann.

Ein derartiger Krampfanfall hält bis zu zwei Minuten an und wird von den Patient*innen bei vollem Bewusstsein erlebt. Im Endstadium des Tetanus können sich auch die Muskeln von Kehlkopf und Zwerchfell verspannen, sodass der/die Betroffene nicht mehr atmen kann und schließlich erstickt.

Ein einfaches Hilfsmittel

Ob es soweit kommt, hängt von vielen Faktoren ab; vor allem aber von einer ausreichenden Immunisierung. Eine überstandene Tetanus-Erkrankung allein reicht nicht, da die körpereigenen Antikörper gegen Clostridium tetani bzw. die von ihm erzeugten Giftstoffe machtlos sind.

Die Ständige Impfkommission STIKO rät daher zur Vorsorge-Impfung gegen Wundstarrkrampf. Sie erfolgt in drei Schritten und kann bereits bei Säuglingen durchgeführt werden. Nach dem vierten und dem fünften Geburtstag wird sie aufgefrischt – und ist danach zehn Jahre lang wirksam.

Das bedeutet, dass der Tetanus-Schutz bis ins Alter hinein immer wieder erneuert werden muss. Da viele Erwachsene diese Fristen versäumen, wird ihnen bei Verletzungen eine sogenannte Simultan-Impfung verordnet; das heißt: es werden sowohl abgeschwächte Erreger als auch Antikörper gespritzt.

Ein unterschätztes Risiko

In Industrieländern mit guten hygienischen Bedingungen und flächendeckender medizinischer Betreuung reicht diese Schutzmaßnahme theoretisch aus. Die Infektions-Gefahr ist aber unverändert hoch, da Clostridium tetani in jede Art von Wunde eindringen kann. Weil Wundstarrkrampf nicht mehr meldepflichtig ist, liegen kaum verwertbare Zahlen zu Infektionen und Krankheitsverläufen vor. Die Weltgesundheitsorganisation WHO meldet seit 2009 stetig rückläufige Tetanus-Fälle. Das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Leiden weltweit präsent ist – und in 25 Prozent aller Fälle tödlich verläuft.

Ein aufwändiger Prozess

Grund für die vergleichsweise hohe Sterbe-Rate ist die aufwändige Behandlung von Wundstarrkrampf. Sie reicht von einfachen Maßnahmen wie dem Auswaschen und Desinfizieren eventuell kontaminierter Wunden bis zu drastischen Eingriffen wie der Amputation befallener Gliedmaßen. Vor allem aber müssen bei bestätigtem Tetanus die Vergiftungs-Folgen gemildert werden. Dazu gehört es, Betroffene schall- und lichtgeschützt unterzubringen, um krampfauslösende Reize zu vermeiden. Gegen die „blank liegenden“ Nerven kann ein Beruhigungsmittel helfen.

Bei einsetzenden Verspannungen sind Muskelrelaxations-Mittel und maschinelle Beatmung der Patient*innen unerlässlich. Hat der erkrankte Organismus genug Antikörper gebildet, lassen die lebensgefährlichen Begleiterscheinungen des Wundstarrkrampfes nach, sodass die Präparate und Apparate überflüssig werden.


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